Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK): Ziele, Förderung und Bedeutung für Kommunen
Das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) bildet einen wichtigen Baustein der deutschen Strategie für Klimaschutz, Biodiversität und Klimaanpassung. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie natürliche Ökosysteme besser geschützt, geschädigte Lebensräume wiederhergestellt und ihre wichtigen Funktionen für Klima und Gesellschaft langfristig erhalten werden können.
Von Mooren und Wäldern über Böden und Gewässer bis hin zu urbanen Grünflächen reicht das Spektrum der Maßnahmen. Dabei verfolgt das ANK einen integrierten Ansatz: Natürliche Klimaschutzmaßnahmen sollen gleichzeitig zur Reduzierung von Treibhausgasen, zum Schutz der biologischen Vielfalt und zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels beitragen.
Für Kommunen und andere Akteure gewinnt das Programm insbesondere durch die damit verbundenen Fördermöglichkeiten für Maßnahmen des natürlichen Klimaschutzes an Bedeutung. Gleichzeitig steht das ANK im Kontext europäischer Vorgaben wie dem Nature Restoration Law, das verbindliche Ziele für die Wiederherstellung von Ökosystemen in der Europäischen Union setzt.
Doch welche Ziele verfolgt das Aktionsprogramm konkret? Welche Bereiche werden gefördert und welche Rolle spielt das ANK bei der Umsetzung von Naturschutz und Klimaanpassung in Deutschland?
Der Schutz und die Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme gewinnen für die deutsche Klima- und Umweltpolitik zunehmend an Bedeutung. Wälder, Moore, Böden, Auen, Gewässer und urbane Grünflächen erfüllen zahlreiche Funktionen, die weit über den klassischen Naturschutz hinausgehen. Sie speichern Kohlenstoff, halten Wasser zurück, bieten Lebensräume für Tiere und Pflanzen und können dazu beitragen, die Folgen von Hitze, Dürre und Starkregen abzumildern.
Mit dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) verfolgt die Bundesregierung einen integrierten Ansatz, der Klimaschutz, Biodiversitätsschutz und Klimaanpassung miteinander verbindet. Das Programm soll dazu beitragen, Ökosysteme in Deutschland zu schützen, geschädigte Lebensräume wiederherzustellen und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels zu erhöhen.
Gleichzeitig erhält das Thema durch die europäische Verordnung zur Wiederherstellung der Natur, häufig als Nature Restoration Law bezeichnet, eine zusätzliche rechtliche Dimension. Während die EU-Verordnung verbindliche Wiederherstellungsziele festlegt, schafft das ANK auf nationaler Ebene Förder- und Umsetzungsstrukturen für konkrete Maßnahmen.
Für Kommunen, Länder, Land- und Forstwirtschaft sowie weitere Akteure entsteht damit ein zunehmend wichtiger Handlungsrahmen. Doch welche Ziele verfolgt das ANK konkret? Welche Ökosysteme stehen im Mittelpunkt? Und welche Bedeutung hat das Programm für die praktische Umsetzung von Klimaschutz und Renaturierung?
Was ist das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz?
Das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz ist ein umfassendes Programm der Bundesregierung zur Stärkung und Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass funktionierende Ökosysteme selbst wichtige Leistungen für den Klimaschutz und die Klimaanpassung erbringen.
Ein naturnaher Wald kann beispielsweise Kohlenstoff speichern und gleichzeitig Wasser zurückhalten. Intakte Moore speichern große Mengen Kohlenstoff im Boden. Auen und Feuchtgebiete können bei Hochwasser als natürliche Retentionsräume wirken. Grünflächen und Bäume im Siedlungsbereich wiederum können durch Verdunstung und Verschattung zur Verringerung von Hitze beitragen.
Der Ansatz des ANK geht deshalb über den klassischen Schutz einzelner Arten oder Biotope hinaus. Im Mittelpunkt steht die Funktionsfähigkeit ganzer Ökosysteme und deren langfristige Widerstandsfähigkeit.
Das ursprüngliche Aktionsprogramm umfasst 69 Maßnahmen in zehn Handlungsfeldern. Die Maßnahmen reichen von der Verbesserung des Wissens über den Zustand von Ökosystemen über konkrete Renaturierungsmaßnahmen bis hin zu langfristigen Förder- und Unterstützungsangeboten.
Dabei geht es nicht ausschließlich um neue Schutzgebiete. Ebenso wichtig sind die Wiederherstellung beeinträchtigter Ökosysteme, eine naturnähere Bewirtschaftung sowie Investitionen in Strukturen, die natürliche Prozesse wieder stärker ermöglichen.
Welche Ziele verfolgt das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz?
Das ANK verfolgt mehrere miteinander verbundene Ziele. Besonders relevant sind drei Bereiche: Klimaschutz, Biodiversität und Klimaanpassung.
Klimaschutz durch natürliche Kohlenstoffspeicher
Natürliche Ökosysteme können Kohlenstoff aus der Atmosphäre aufnehmen und langfristig speichern. Wälder, Böden und Moore spielen dabei eine besondere Rolle.
Diese Funktion ist allerdings nicht dauerhaft garantiert. Werden Böden entwässert, Wälder geschädigt oder Ökosysteme anderweitig beeinträchtigt, kann ihre Speicherleistung zurückgehen. Unter bestimmten Bedingungen können ehemals wichtige Kohlenstoffsenken sogar zu Quellen von Treibhausgasemissionen werden.
Ein prominentes Beispiel sind trockengelegte Moore. Unter natürlichen, wassergesättigten Bedingungen wird organisches Material nur langsam abgebaut und Kohlenstoff über lange Zeiträume im Torf gespeichert. Wird der Wasserstand abgesenkt, verändern sich diese Prozesse und die gespeicherten organischen Substanzen können verstärkt abgebaut werden.
Die Wiedervernässung von Mooren ist deshalb nicht nur eine Naturschutzmaßnahme. Sie kann gleichzeitig dem Klimaschutz dienen.
Auch bei Wäldern und landwirtschaftlich genutzten Böden geht es darum, Kohlenstoffspeicher langfristig zu erhalten und deren Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenheit, Hitze und anderen Belastungen zu erhöhen.
Schutz der biologischen Vielfalt
Die zweite Säule betrifft die biologische Vielfalt. Der Verlust von Lebensräumen, die Fragmentierung von Landschaften und veränderte Umweltbedingungen setzen zahlreichen Arten unter Druck.
Renaturierungsmaßnahmen können hier an mehreren Punkten ansetzen. Werden Gewässer naturnäher gestaltet, entstehen neue Lebensräume. Werden Biotope miteinander verbunden, können Tiere und Pflanzen diese Strukturen besser nutzen. Eine naturnahe Gestaltung von Grünflächen kann ebenfalls die Artenvielfalt erhöhen.
Der natürliche Klimaschutz verfolgt damit einen Ansatz, bei dem eine Maßnahme mehrere ökologische Funktionen gleichzeitig erfüllen kann.
Klimaanpassung und Resilienz
Die dritte Dimension ist die Anpassung an die Folgen des Klimawandels.
Extreme Wetterereignisse machen deutlich, dass Klimaschutz und Klimaanpassung nicht isoliert betrachtet werden können. Städte müssen beispielsweise mit zunehmender Hitzebelastung umgehen, während ländliche Regionen mit Trockenheit, Wasserknappheit oder Starkregen konfrontiert sein können.
Naturnahe Strukturen können hier wichtige Funktionen übernehmen. Bäume spenden Schatten und beeinflussen das Mikroklima. Grünflächen können Wasser aufnehmen. Entsiegelte Flächen ermöglichen die Versickerung. Auen können bei Hochwasser zusätzliche Retentionsräume bereitstellen.
Das ANK verbindet deshalb den Schutz natürlicher Systeme mit der Frage, wie Landschaften und Siedlungsräume widerstandsfähiger gegenüber klimatischen Veränderungen werden können.
Die dreifache Wirkung: Klimaschutz, Biodiversität und Klimaanpassung
Die besondere Stärke des natürlichen Klimaschutzes liegt in der Verbindung mehrerer Ziele.
Eine einzelne Maßnahme kann beispielsweise gleichzeitig:
- Kohlenstoff speichern,
- Lebensräume schaffen,
- Wasser zurückhalten,
- die lokale Temperatur beeinflussen,
- die Landschaft widerstandsfähiger gegenüber Extremwetter machen und
- die Aufenthaltsqualität für Menschen verbessern.
Diese Mehrfachwirkung ist gerade für Kommunen von Bedeutung. Kommunale Investitionen müssen häufig verschiedene Anforderungen gleichzeitig erfüllen. Eine entsiegelte Fläche kann beispielsweise einen Beitrag zum Bodenschutz leisten, die Versickerung verbessern und gleichzeitig einen Lebensraum für Pflanzen schaffen.
Ähnliches gilt für Stadtbäume. Sie sind nicht lediglich Gestaltungselemente des öffentlichen Raums. Je nach Standort können sie Verschattung bieten, das Mikroklima verbessern und zur biologischen Vielfalt beitragen.
Der natürliche Klimaschutz betrachtet Natur deshalb nicht nur als Schutzgut, sondern auch als wichtige Infrastruktur für Klimaschutz und Klimaanpassung.
Welche Ökosysteme stehen im Mittelpunkt des ANK?
Das Aktionsprogramm deckt ein breites Spektrum unterschiedlicher Lebensräume ab.
Moore
Moore gehören zu den wichtigsten natürlichen Kohlenstoffspeichern. Ihre Wiedervernässung zählt deshalb zu den zentralen Maßnahmen des natürlichen Klimaschutzes.
Gleichzeitig entstehen durch intakte Moore wertvolle Lebensräume für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Die Wiederherstellung des natürlichen Wasserhaushalts kann somit mehrere Ziele gleichzeitig verfolgen.
Eine besondere Herausforderung besteht darin, Wiedervernässung mit den Interessen der Landnutzung in Einklang zu bringen. Deshalb gewinnen neue Formen der Bewirtschaftung nasser Moorstandorte an Bedeutung.
Wälder
Wälder stehen gleichzeitig vor mehreren Herausforderungen: steigende Temperaturen, Trockenperioden, Schädlingsbefall, Waldbrände und Extremwetter können die Stabilität von Waldökosystemen beeinträchtigen.
Im Rahmen des ANK geht es deshalb unter anderem um einen klimaangepassten Waldumbau und eine Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Wäldern.
Der Ansatz beschränkt sich dabei nicht auf die Frage, wie möglichst viel Holz produziert werden kann. Ebenso relevant sind die Klimaschutzfunktion, die biologische Vielfalt und die Fähigkeit des Waldes, langfristig mit veränderten Umweltbedingungen umzugehen.
Böden
Böden erfüllen zahlreiche Funktionen. Sie speichern Kohlenstoff, filtern Wasser, sind Lebensraum für Organismen und bilden eine Grundlage für die landwirtschaftliche Produktion.
Der Schutz und die Verbesserung der Bodenfunktionen sind deshalb ein weiterer Bestandteil des natürlichen Klimaschutzes.
Von Bedeutung sind insbesondere Maßnahmen, die den Humusgehalt erhalten oder verbessern und die Bodenstruktur schützen. Auch die Entsiegelung spielt eine Rolle, weil dadurch natürliche Bodenfunktionen im Siedlungsbereich wiederhergestellt werden können.
Gewässer und Auen
Naturnahe Flüsse und Auen besitzen eine besondere Bedeutung für den Wasserhaushalt und die biologische Vielfalt.
Werden Flüsse begradigt oder Auen von ihren natürlichen Überschwemmungsflächen abgeschnitten, gehen wichtige ökologische Funktionen verloren. Die Wiederherstellung naturnäherer Strukturen kann dagegen dazu beitragen, Wasser in der Landschaft zu halten und Lebensräume zu verbessern.
Auch im Hinblick auf Hochwasser und Starkregen können Auenrenaturierungen eine wichtige Rolle spielen.
Urbane Grünflächen
Natürlicher Klimaschutz findet nicht nur außerhalb von Städten statt. Gerade in dicht bebauten Gebieten können Grünflächen einen erheblichen Beitrag zur Klimaanpassung leisten.
Stadtbäume, naturnah gepflegte Grünflächen, kleine Biotope und entsiegelte Bereiche können dazu beitragen, Hitze zu reduzieren, Wasser zurückzuhalten und ökologische Strukturen im urbanen Raum zu schaffen.
Das Förderprogramm „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ unterstützt unter anderem Stadtbäume, naturnahes Grünflächenmanagement, sogenannte Naturoasen und Entsiegelungsmaßnahmen. Die aktuelle Laufzeit reicht bis Ende 2026. Für das Programm stehen insgesamt 629 Millionen Euro zur Verfügung; die Förderquote beträgt grundsätzlich bis zu 50 Prozent und kann für finanzschwache Kommunen 80 Prozent erreichen.
Welche Fördermöglichkeiten bietet das ANK?
Das ANK ist nicht lediglich ein politisches Leitbild, sondern mit konkreten Förderangeboten verbunden.
Je nach Förderprogramm können unter anderem Konzepte, Flächenkäufe, Personal, Materialien oder konkrete Investitionsmaßnahmen unterstützt werden. Das Angebot richtet sich nicht ausschließlich an Kommunen. Auch Verbände, Unternehmen sowie land- und forstwirtschaftliche Betriebe können je nach Fördermaßnahme antragsberechtigt sein.
Zu den Förderbereichen gehören beispielsweise Maßnahmen für:
- Moore und Feuchtgebiete,
- Wälder,
- Auen und Fließgewässer,
- Böden,
- urbane Grünflächen,
- Wildnis,
- Meeres- und Küstenökosysteme sowie
- eine klima- und biodiversitätsfördernde Land- und Forstwirtschaft.
Eine wichtige Rolle spielt dabei das Kompetenzzentrum Natürlicher Klimaschutz (KNK). Es dient als zentrale Anlaufstelle für Informationen und Beratung rund um den natürlichen Klimaschutz und die verschiedenen Fördermöglichkeiten.
Welche Bedeutung hat das ANK für Kommunen?
Für Städte und Gemeinden ist das Thema besonders relevant, weil viele Klimaanpassungsmaßnahmen unmittelbar auf kommunaler Ebene umgesetzt werden.
Dazu gehören beispielsweise:
- die Pflanzung und Pflege von Stadtbäumen,
- die naturnahe Entwicklung kommunaler Grünflächen,
- die Schaffung kleiner Biotope,
- die Entsiegelung von Flächen,
- die ökologische Aufwertung von Gewässern,
- die Verbesserung des Regenwassermanagements und
- die Entwicklung blau-grüner Infrastruktur.
Dabei entstehen häufig Synergien zwischen unterschiedlichen kommunalen Aufgabenbereichen.
Eine Entsiegelungsmaßnahme kann beispielsweise gleichzeitig die Regenwasserversickerung verbessern, die Belastung der Kanalisation reduzieren und neue Grünstrukturen ermöglichen. Ein Stadtbaum kann zur Verschattung beitragen und gleichzeitig einen Lebensraum für Insekten und Vögel darstellen.
Das Förderprogramm „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ zeigt, wie diese Verbindung praktisch umgesetzt werden kann. Gefördert werden unter anderem naturnahes Grünflächenmanagement und Maßnahmen zur Wiederherstellung natürlicher Bodenfunktionen.
Für Kommunen ist allerdings nicht nur die Finanzierung entscheidend. Ebenso wichtig sind ausreichende personelle Kapazitäten, fachliche Expertise, geeignete Flächen sowie die Abstimmung verschiedener Verwaltungsbereiche.
ANK und Nature Restoration Law: Wie hängen beide Ansätze zusammen?
Eine wichtige Frage für die kommenden Jahre ist das Verhältnis zwischen dem deutschen Aktionsprogramm und der europäischen Verordnung zur Wiederherstellung der Natur.
Die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur ist seit dem 18. August 2024 in Kraft. Sie verpflichtet die Mitgliedstaaten dazu, Maßnahmen zur Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme umzusetzen. Auf EU-Ebene sollen bis 2030 Wiederherstellungsmaßnahmen mindestens 20 Prozent der Land- und Meeresflächen abdecken. Langfristig sollen bis 2050 alle Ökosysteme, die einer Wiederherstellung bedürfen, erfasst werden.
Die Verordnung umfasst unter anderem Ziele für Wälder, Moore, landwirtschaftliche Ökosysteme, Flüsse, Seen, urbane Ökosysteme, Meereslebensräume und Bestäuber.
Deutschland muss diese europäischen Vorgaben in einem Nationalen Wiederherstellungsplan konkretisieren. Nach aktuellem Zeitplan soll der Entwurf im September 2026 der Europäischen Kommission vorgelegt werden. Die endgültige Fassung ist für 2027 vorgesehen.
Damit erfüllen ANK und Nature Restoration Law unterschiedliche Funktionen:
Das Nature Restoration Law schafft den europäischen rechtlichen Rahmen und verbindliche Ziele. Das ANK stellt dagegen einen nationalen politischen und finanziellen Umsetzungsrahmen für Maßnahmen des natürlichen Klimaschutzes bereit.
Beide Ansätze können sich deshalb ergänzen. Förderprogramme wie das ANK können dazu beitragen, praktische Projekte zu finanzieren und die Voraussetzungen für die Wiederherstellung von Ökosystemen zu verbessern.
Wie wird der natürliche Klimaschutz finanziert?
Die finanzielle Ausstattung zeigt, welchen Stellenwert der natürliche Klimaschutz inzwischen besitzt.
Nach Angaben des Bundesumweltministeriums stehen für Fördermaßnahmen im Rahmen des ANK insgesamt 4,5 Milliarden Euro bis 2029 zur Verfügung. Für 2026 sind 821 Millionen Euro eingeplant. Nach der Finanzplanung sollen die jährlichen Mittel in den Folgejahren auf mehr als 1,1 Milliarden Euro steigen.
Finanziert wird das Programm aus Mitteln des Klima- und Transformationsfonds.
Die Förderlandschaft entwickelt sich dabei weiter. Neben bereits bestehenden Angeboten kommen neue Fördermöglichkeiten hinzu. Im April 2026 wurde beispielsweise ein neues Förderprogramm für klimabezogene Maßnahmen der Auenrenaturierung vorgestellt. Es soll unter anderem zur Wiederherstellung naturnaher Ufer- und Retentionsfunktionen beitragen.
Damit wird deutlich, dass sich das ANK zunehmend von einem einzelnen Förderprogramm zu einem breiteren Förderrahmen für natürlichen Klimaschutz entwickelt.
Die zweite Phase des ANK
Auch das Aktionsprogramm selbst wird weiterentwickelt.
Am 29. September 2025 legte das Bundesumweltministerium einen Vorschlag für eine zweite Umsetzungsphase vor. Das Paket umfasst 41 Maßnahmen und setzt einen besonderen Schwerpunkt auf Wälder, Moore und Böden.
Beim Wald geht es unter anderem um einen klimaangepassten Waldumbau und eine Stärkung der Widerstandsfähigkeit. Bei Mooren steht die Wiedervernässung im Mittelpunkt. Für landwirtschaftlich genutzte Böden werden Maßnahmen vorgeschlagen, die den Humuserhalt und damit sowohl Bodenfunktionen als auch Klimaschutz unterstützen sollen.
Die Weiterentwicklung zeigt zugleich, dass natürlicher Klimaschutz zunehmend stärker mit der Frage verbunden wird, wie der Landnutzungssektor langfristig klimaverträglicher und widerstandsfähiger gestaltet werden kann.
Herausforderungen bei der Umsetzung
Trotz der umfangreichen Fördermöglichkeiten ist die praktische Umsetzung anspruchsvoll.
Eine zentrale Herausforderung ist die Verfügbarkeit geeigneter Flächen. Renaturierung benötigt Raum – beispielsweise für Auen, Gewässerentwicklung oder die Wiedervernässung von Mooren. Gleichzeitig bestehen dort häufig konkurrierende Nutzungsinteressen.
Hinzu kommen Planungs- und Genehmigungsverfahren. Gerade komplexe Renaturierungsprojekte können mehrere Eigentümer, Behörden, Verbände und Nutzergruppen betreffen.
Auch die personellen Ressourcen sind entscheidend. Fördermittel allein reichen nicht aus, wenn Kommunen oder andere Projektträger nicht über die notwendigen Kapazitäten verfügen, um Projekte zu entwickeln, Anträge zu stellen und Maßnahmen langfristig zu betreuen.
Ein weiterer Punkt ist die Dauerhaftigkeit. Natürlicher Klimaschutz entfaltet seine Wirkung häufig nicht innerhalb weniger Monate. Ein neu gepflanzter Baum braucht Jahre, bis er eine relevante Klimawirkung entfaltet. Die Wiederherstellung eines Moores oder einer Auenlandschaft ist ebenfalls ein langfristiger Prozess.
Deshalb muss natürliche Klimaschutzpolitik über einzelne Förderperioden hinaus gedacht werden.
Warum langfristige Planung entscheidend ist
Der Erfolg des natürlichen Klimaschutzes lässt sich nicht allein daran messen, wie viele Projekte gefördert oder wie viele Bäume gepflanzt wurden.
Entscheidend ist vielmehr, ob sich die ökologischen Funktionen tatsächlich verbessern.
Dazu gehören beispielsweise Fragen wie:
- Wird mehr Kohlenstoff gespeichert?
- Verbessert sich der Wasserhaushalt?
- Erhöht sich die Artenvielfalt?
- Werden Lebensräume miteinander verbunden?
- Steigt die Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenheit und Hitze?
- Werden Hochwasserrisiken reduziert?
- Bleiben die erreichten Verbesserungen langfristig bestehen?
Monitoring und Erfolgskontrolle werden deshalb zu einem wichtigen Bestandteil des natürlichen Klimaschutzes.
Dies gilt auch im Zusammenhang mit der europäischen Wiederherstellungsverordnung. Die Mitgliedstaaten müssen ihre Fortschritte dokumentieren und regelmäßig über die Umsetzung berichten.
Fazit: Natürliches Klimaschutzpotenzial konsequent nutzen
Das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz steht für einen Paradigmenwechsel in der Verbindung von Umwelt- und Klimapolitik. Natur wird dabei nicht ausschließlich als schützenswertes Gut betrachtet, sondern zugleich als wichtiger Bestandteil einer klimaresilienten Infrastruktur.
Wälder, Moore, Böden, Gewässer und Grünflächen können gleichzeitig Kohlenstoff speichern, Lebensräume bereitstellen und die Folgen des Klimawandels abmildern. Gerade diese Mehrfachwirkung macht den natürlichen Klimaschutz für Bund, Länder und Kommunen interessant.
Mit dem ANK stehen dafür erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung. Die aktuellen Förderangebote zeigen, dass insbesondere Kommunen konkrete Möglichkeiten haben, Projekte in den Bereichen Grünflächen, Entsiegelung, Stadtbäume und ökologische Aufwertung umzusetzen.
Parallel dazu erhöht die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur den politischen und rechtlichen Handlungsdruck. Deutschland befindet sich deshalb in einer Phase, in der Förderpolitik, Naturschutz und europäische Wiederherstellungsziele zunehmend miteinander verknüpft werden.
Für Kommunen und andere Projektträger bedeutet diese Entwicklung vor allem eines: Natürlicher Klimaschutz wird von einem ergänzenden Umweltaspekt zunehmend zu einem strategischen Bestandteil einer zukunftsfähigen Landschafts- und Stadtentwicklung.
Wer Fördermöglichkeiten, kommunale Klimaanpassung und die Anforderungen der europäischen Wiederherstellungspolitik zusammendenkt, kann deshalb nicht nur ökologische Ziele erreichen. Es entstehen zugleich Chancen für lebenswertere Städte, widerstandsfähigere Landschaften und einen nachhaltigeren Umgang mit den natürlichen Ressourcen.
Die wichtigsten Aktualisierungen im Beitrag stützen sich auf die aktuellen Veröffentlichungen des Bundesumweltministeriums zum Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz, insbesondere die Angaben zu den 69 Maßnahmen, der zweiten Phase mit 41 Maßnahmen, den aktuellen Förderangeboten und der Finanzierung. Für die europäische Ebene ist die EU-Kommission – Nature Restoration Regulation die maßgebliche Primärquelle. Die Informationen zum deutschen Wiederherstellungsplan stammen aus den aktuellen Angaben des Bundesumweltministeriums zum Nationalen Wiederherstellungsplan.
Fequently Asked Questions
Das ANK ist ein Programm der Bundesregierung, das den Schutz, die Stärkung und die Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme unterstützt. Dabei sollen Klimaschutz, Biodiversität und Klimaanpassung miteinander verbunden werden.
Für Fördermaßnahmen im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz stehen nach aktuellen Angaben des Bundesumweltministeriums insgesamt 4,5 Milliarden Euro bis 2029 zur Verfügung. Für 2026 sind 821 Millionen Euro eingeplant.
Je nach Förderprogramm können unter anderem Maßnahmen für Moore, Wälder, Böden, Auen, Gewässer, urbane Grünflächen und weitere Ökosysteme gefördert werden. Auch Konzepte, Flächenkäufe, Personal und bestimmte Sachleistungen können förderfähig sein.
Ja. Ein konkretes Angebot ist das Förderprogramm „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“. Gefördert werden unter anderem Stadtbäume, naturnahes Grünflächenmanagement, Naturoasen und Entsiegelungsmaßnahmen.
Das Nature Restoration Law schafft auf EU-Ebene verbindliche Ziele für die Wiederherstellung von Ökosystemen. Das ANK ist ein nationales Förder- und Maßnahmenprogramm, das unter anderem praktische Projekte des natürlichen Klimaschutzes unterstützt. Beide Ansätze können sich bei der Umsetzung von Wiederherstellungsmaßnahmen ergänzen.
Die Finanzierung des Aktionsprogramms ist nach aktuellen Angaben bis 2029 vorgesehen. Die konkreten Laufzeiten unterscheiden sich jedoch je nach Förderprogramm.
